Video der BT-Anhörung

Der Bundestag hat die Stellungnahmen der Sachverständigen online gestellt. An dieser Stelle möchten wir aus der Stellungnahme des Staatsanwalts Jörn Patzak zitieren, welcher da schreibt:

Es bestünde auch die Gefahr, dass reine Cannabiskonsumenten im Umfeld der Cannabis-Clubs dazu verleitet werden, auf andere Betäubungsmittel umsteigen. Zwar greift nicht jeder, der Cannabis konsumiert, auch zu „harten“ Drogen (sog. „Gateway“- oder „Schrittmacher“-Theorie). Fakt ist aber auch, dass derjenigen, die Amphetamin, Kokain oder Heroin konsumieren, fast ausnahmslos ihre Drogenkarrieren mit dem Cannabiskonsum begonnen haben.

Zum Thema Einstiegsdroge sei nur erwähnt, dass diese These schon seit über 20 Jahren widerlegt ist.

Patzak greift zu dem rhetorischen Mittel des „Umkehrschlusses“. Der Umkehrschluss ist eine juristische Methode zur Auslegung einer Rechtsnorm. Allerdings lässt sich das Verhalten von Menschen kaum auf juristische Auslegungsmethoden beschränken. Im Gegenteil: Es offenbart eher ein misstrauisches und auf Gesetze verhärtetes Menschenbild.

Genausogut könnte man sagen: Zwar wird nicht jeder, der die Tagesschau gesehen hat, auch zum Mörder, aber fast alle Mörder hinter Gittern haben schon einmal die Tagesschau gesehen. Das wäre genauso ein Umkehrschluss, der darauf anspielt, dass die Tagesschau Menschen zu Mördern macht. So wird wieder einmal die öffentliche Meinung manipuliert.

Wie wenig Patzak das Thema überhaupt verstanden und reflektiert hat, zeigt sich besonders daran, dass er ganz außer Acht lässt, dass fast alle Konsumenten illegaler Drogen ihre „Drogenkarrieren“ mit den legalen Drogen Alkohol und Tabak begonnen haben.

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema Cannabis als Einstiegsdroge in der Studiensammlung von cannabislegal.de

2 Kommentare to “Die Mär von der Einstiegsdroge oder: Der gefährliche Umkehrschluss”

  • aXXL:

    Patzak ist Staatsanwalt. Anwalt für das Interesse des Staates bzw. Anwalt im Interesse der vom Staat erlassenen Gesetze. Ähnlich wie ein Arzt, der kein elementares Interesse daran haben kann, dass es ausschließlich Gesunde gibt, muss einer wie Patzak die herrschende Rechtsauffassung vertreten. Auch wenn selbige – wie die Geschichte des BtMG und ihre unendlich lange Opferliste beweisen – noch so falsch ist.

    Schließlich will man als StA Butter auf`m Frühstückstisch. Da denkt man doch nicht über vertriebene Kleinbauern nach, die der Palm-Öl-Industrie weichen mussten.

  • [...] Plenert vom DHV geht der Frage nach, ob Cannabis eine Einstiegsdroge sei. Ähnlich wie der Artikel hier, kommt er zum selben Schluss: Die These von der Einstiegsdroge ist widerlegt: Ist Cannabis eine [...]

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